1966 auf einen Blick
1966 war das Jahr, in dem die Bundesrepublik zum ersten Mal spürte, dass das Wirtschaftswunder nicht ewig weitergeht. Ludwig Erhard, der Vater der D-Mark, verlor im Herbst seine Mehrheit und trat zurück. Am 1. Dezember übernahm Kurt Georg Kiesinger mit der ersten Großen Koalition aus CDU/CSU und SPD. Bundespräsident war das ganze Jahr über Heinrich Lübke. In der DDR führte Walter Ulbricht als Vorsitzender des Staatsrats.
Für die meisten Menschen im Land war 1966 aber vor allem das Jahr eines einzigen Fußballspiels. Am 30. Juli verlor die deutsche Nationalmannschaft im Londoner Wembley-Stadion das WM-Finale gegen England mit 2:4 nach Verlängerung. Das dritte englische Tor, bei dem der Ball von der Latte auf oder hinter die Linie sprang, wird bis heute diskutiert. Den Begriff „Wembley-Tor“ kennt seither jedes Kind.
Gleichzeitig blickte die Welt nach oben. Im Februar landete mit der sowjetischen Sonde Luna 9 zum ersten Mal ein Raumflugkörper weich auf dem Mond. Im März koppelten Neil Armstrong und David Scott mit Gemini 8 erstmals zwei Raumfahrzeuge im All aneinander. Und im deutschen Fernsehen startete im September die Raumpatrouille Orion, Deutschlands erste Science-Fiction-Serie.
Wer 1966 geboren ist, wird 2026 sechzig Jahre alt. Auf dieser Seite findest du, was dein Geburtsjahr geprägt hat: Politik, Sport, Fernsehen, Technik, Preise und die Menschen, die mit dir Jahrgang sind. Unten im Kalender kommst du zu jedem einzelnen Tag des Jahres.
Politik in Deutschland BRD & DDR
Das politische Jahr 1966 begann ruhig und endete mit einem Regierungswechsel. Ludwig Erhard hatte die Bundestagswahl im Herbst 1965 noch klar gewonnen. Im März 1966 wählte ihn der CDU-Parteitag zusätzlich zum Parteivorsitzenden. Doch die Konjunktur kühlte ab, der Bundeshaushalt bekam Löcher, und über die Frage, ob Steuern erhöht werden sollen, zerbrach im Oktober die Koalition mit der FDP.
- Der CDU-Parteitag wählt Bundeskanzler Ludwig Erhard zum Parteivorsitzenden.
- Der Bundestag debattiert über die Abstürze des Kampfflugzeugs F-104 Starfighter, die die Bundeswehr seit Jahren beschäftigen.
- Das Internationale Olympische Komitee vergibt die Olympischen Sommerspiele 1972 an München.
- Das Bundesverfassungsgericht erklärt die bisherige staatliche Finanzierung der Parteien für unzulässig. Daraus entsteht später das Parteiengesetz.
- Die FDP-Minister treten aus dem Kabinett Erhard aus. Die schwarz-gelbe Koalition ist am Ende.
- Ludwig Erhard tritt als Bundeskanzler zurück.
- Kurt Georg Kiesinger wird Bundeskanzler der ersten Großen Koalition. Willy Brandt (SPD) wird Außenminister und Vizekanzler.
Gegründet und eröffnet
Am 14. Februar 1966 öffnete die Universität Düsseldorf, am 21. Juni folgte die neu gegründete Universität Konstanz. Bildung war eines der großen Themen der Zeit: Die Kinder der geburtenstarken Jahrgänge kamen in die Schulen, und die Hochschulen mussten wachsen.
In der DDR
In Ost-Berlin und den Bezirken wurde der Fußball neu sortiert. Im Januar 1966 entstanden innerhalb weniger Tage gleich mehrere Fußballclubs, die bis heute bekannt sind: der BFC Dynamo (15. Januar), der 1. FC Union Berlin und der 1. FC Lokomotive Leipzig (beide 20. Januar), der FC Rot-Weiß Erfurt (26. Januar) und die BSG Energie Cottbus (31. Januar).
Fußball und Sport
Kein Sportjahr ist den Deutschen so im Gedächtnis geblieben wie 1966. Die Weltmeisterschaft in England begann am 11. Juli. Die Mannschaft von Bundestrainer Helmut Schön kam mit Spielern wie Uwe Seeler, Franz Beckenbauer, Wolfgang Overath und Helmut Haller bis ins Finale. Haller war mit sechs Treffern der beste deutsche Torschütze des Turniers, Beckenbauer traf viermal.
Das Endspiel am Samstag, 30. Juli 1966, sahen im Wembley-Stadion 96.924 Zuschauer. Haller brachte Deutschland in Führung, Wolfgang Weber glich in der 89. Minute zum 2:2 aus. In der Verlängerung traf Geoff Hurst zum 3:2. Der Schweizer Schiedsrichter Gottfried Dienst gab das Tor erst nach Rücksprache mit seinem Linienrichter Tofiq Bahramov aus der Sowjetunion. Hurst erzielte später noch das 4:2 und war damit der erste Spieler, der in einem WM-Finale drei Tore schoss. Alles zum 30. Juli 1966 findest du auf der Tagesseite.
- Borussia Dortmund gewinnt in Glasgow den Europapokal der Pokalsieger, 2:1 nach Verlängerung gegen den FC Liverpool. Es ist der erste Europapokal für eine deutsche Mannschaft.
- Der TSV 1860 München wird Deutscher Meister der Saison 1965/66.
- Der FC Bayern München gewinnt im Frankfurter Waldstadion vor 60.000 Zuschauern das DFB-Pokal-Finale mit 4:2 gegen den Meidericher SV (heute MSV Duisburg).
- WM-Finale in Wembley: England – BR Deutschland 4:2 n. V.
- Rudi Altig wird am Nürburgring Straßenweltmeister der Radprofis.
- Boxweltmeister Muhammad Ali verteidigt in Frankfurt am Main seinen Titel gegen Karl Mildenberger.
Der Weg ins Finale
An der Endrunde nahmen 16 Mannschaften teil. Die Bundesrepublik spielte in der Gruppe 2 gegen die Schweiz, Argentinien und Spanien. Zum Auftakt gab es ein deutliches 5:0 gegen die Schweiz, gegen Argentinien in Birmingham reichte es nur zu einem torlosen Unentschieden, gegen Spanien folgte ein 2:1. Mit fünf Punkten zog die Mannschaft ins Viertelfinale ein und schlug dort Uruguay mit 4:0. Im Halbfinale wartete die Sowjetunion mit ihrem legendären Torwart Lew Jaschin, Deutschland gewann 2:1. Torschützenkönig des Turniers wurde der Portugiese Eusébio mit neun Treffern.
Kurios: Vor der WM wurde in London der WM-Pokal, die Coupe Jules Rimet, aus einer Ausstellung gestohlen. Eine Woche später fand ein Hund namens Pickles die Trophäe in einem Vorgarten, eingewickelt in Zeitungspapier.
Fernsehen, Musik und Kultur
1966 standen in vielen westdeutschen Wohnzimmern schon Fernseher, gesendet wurde in Schwarz-Weiß. Das Farbfernsehen kam in der Bundesrepublik erst im August 1967. Zwei Sender gab es bundesweit: die ARD und das ZDF, dazu die Dritten Programme in einzelnen Regionen.
Raumpatrouille Orion
Am 17. September 1966 lief in der ARD die erste Folge von „Raumpatrouille – Die phantastischen Abenteuer des Raumschiffes Orion“. Dietmar Schönherr spielte Commander Cliff Allister McLane, Eva Pflug die Sicherheitsoffizierin Tamara Jagellovsk. Produziert hatte der WDR, berühmt wurden die Spezialeffekte aus Alltagsgegenständen wie dem Bügeleisen als Steuerpult. Es gab nur sieben Folgen, die letzte lief am 10. Dezember 1966. Die Einschaltquote lag bei bis zu 56 Prozent.
Die Beatles in Deutschland
Im Juni 1966 kamen die Beatles zum letzten Mal nach Deutschland. Auf der „Bravo-Blitztournee“ spielten sie je zwei Konzerte: am 24. Juni im Circus-Krone-Bau in München, am 25. Juni in der Grugahalle in Essen und am 26. Juni in der Ernst-Merck-Halle in Hamburg, der Stadt, in der ihre Karriere begonnen hatte. Gut zwei Monate später, am 29. August, gaben sie in San Francisco ihr letztes reguläres Konzert und traten danach nie wieder auf Tournee.
Nobelpreis für Nelly Sachs
Den Literaturnobelpreis 1966 teilten sich die in Berlin geborene Dichterin Nelly Sachs und der israelische Schriftsteller Samuel Joseph Agnon. Nelly Sachs war 1940 vor den Nationalsozialisten nach Schweden geflohen. Das Nobelkomitee würdigte ihre lyrische und dramatische Dichtung, die das Schicksal des jüdischen Volkes mit ergreifender Stärke deute.
Abschied
Am 17. September 1966 starb der Tenor Fritz Wunderlich mit nur 35 Jahren nach einem Treppensturz. Am 17. Oktober starb Wieland Wagner, der Enkel Richard Wagners und prägende Regisseur der Bayreuther Festspiele. Weltweit trauerten Fans am 15. Dezember um Walt Disney.
Technik und Wissenschaft
1966 war ein Rekordjahr der Raumfahrt. Die Sowjetunion und die USA lieferten sich ein Wettrennen zum Mond, und fast jeden Monat gab es eine neue Premiere.
- Die sowjetische Sonde Luna 9 landet als erster Raumflugkörper weich auf dem Mond und funkt Bilder von der Oberfläche.
- Neil Armstrong und David Scott koppeln mit Gemini 8 erstmals zwei Raumfahrzeuge im Erdorbit aneinander.
- In Uetze bei Hannover schaltet die Bundespost die letzte handvermittelte Ortsvermittlung ab. Von da an wählt man in der Bundesrepublik selbst.
- Die US-Sonde Surveyor 1 startet. Drei Tage später landet sie als erste amerikanische Sonde weich auf dem Mond.
- Block A des Kernkraftwerks Gundremmingen in Bayern wird zum ersten Mal kritisch.
- Lunar Orbiter 1 funkt das erste Bild der Erde, die über dem Mondhorizont aufgeht.
- In der Bretagne wird das Gezeitenkraftwerk an der Rance eingeweiht, das erste große seiner Art.
Am Massachusetts Institute of Technology veröffentlichte der in Berlin geborene Informatiker Joseph Weizenbaum 1966 sein Programm ELIZA. Es simulierte ein Gespräch mit einer Psychotherapeutin und gilt als einer der ersten Chatbots. Weizenbaum wurde später zu einem der bekanntesten Kritiker eines zu blinden Vertrauens in Computer.
Auto des Jahrgangs
Im März 1966 brachte BMW eine kleine, zweitürige Limousine auf den Markt, den BMW 1600-2. Er hatte 85 PS und kostete 8.650 DM. Aus ihm entstand die 02er-Baureihe, zu der später der BMW 2002 gehörte. Viele, die 1966 geboren sind, erinnern sich an den 02er als Auto der Eltern oder als erstes eigenes Auto.
Was kostete was 1966?
Die D-Mark war 1966 eine stabile, aber spürbar wertvollere Währung als heute. Nach Berechnungen der Deutschen Bundesbank entspricht eine D-Mark aus dem Jahr 1966 heute etwa 2,36 Euro (Stand 2025). Der durchschnittliche Bruttomonatsverdienst lag bei rund 839 DM.
Die folgende Tabelle zeigt amtlich erhobene Durchschnittspreise aus dem Juli 1966. Das Statistische Landesamt Baden-Württemberg hat sie jeden Monat zum Stichtag in Geschäften im ganzen Land ermittelt.
| Ware | Menge | Preis 1966 |
|---|---|---|
| Helles Mischbrot | 1 kg | 1,17 DM |
| Weißbrot | 1 kg | 1,46 DM |
| Markenbutter | 1 kg | 7,84 DM |
| Vollmilch, frisch | ½ Liter | 0,36 DM |
| Ei, Klasse A (60–65 g) | 1 Stück | 0,23 DM |
| Bohnenkaffee, mittlere Qualität | 500 g | 8,52 DM |
| Zucker | 1 kg | 1,24 DM |
| Schweinekotelett | 1 kg | 8,54 DM |
| Rindfleisch zum Schmoren | 1 kg | 9,89 DM |
| Flaschenbier | ½ Liter | 0,63 DM |
| Normalbenzin, Markenware | 1 Liter | 0,55 DM |
| Strom, Arbeitspreis | 1 kWh | 0,094 DM |
Auffällig ist der Kaffee: Ein Pfund Bohnenkaffee kostete mit 8,52 DM fast so viel wie ein ganzes Kilo Schweinekotelett. Benzin dagegen war billig. Ein Liter Markenbenzin kostete weniger als eine Flasche Bier.
Die Welt 1966
- Über dem spanischen Palomares stürzt ein US-Bomber mit vier Wasserstoffbomben nach einer missglückten Luftbetankung ab.
- Indira Gandhi wird Premierministerin Indiens.
- Die niederländische Kronprinzessin Beatrix heiratet in Amsterdam den Deutschen Claus von Amsberg.
- In London wird der WM-Pokal gestohlen. Der Hund Pickles findet ihn eine Woche später.
- Mit einer Massenkundgebung in Peking beginnt die Kulturrevolution in China ihre heiße Phase.
- Botswana wird unabhängig. Es folgen Lesotho (4. Oktober) und Barbados (30. November).
- Im walisischen Bergbaudorf Aberfan begräbt eine Abraumhalde eine Schule. 144 Menschen sterben, darunter 116 Kinder.
- Der Arno überflutet Florenz und zerstört zahllose Kunstwerke und Bücher.
Gestorben 1966
1966 verabschiedeten sich einige große Namen aus Film, Musik und Zeitgeschichte. Der Stummfilmkomiker Buster Keaton starb am 1. Februar, der Schauspieler Montgomery Clift am 23. Juli. In Deutschland trauerte man um den „Seeteufel“ Felix Graf von Luckner (13. April), um den Filmproduzenten Erich Pommer (8. Mai), der einst „Das Cabinet des Dr. Caligari“ und „Metropolis“ möglich gemacht hatte, und um den Tenor Fritz Wunderlich (17. September). Am 15. Dezember starb Walt Disney in Los Angeles.
60 Jahre her: Jubiläen im Jahr 2026
Wer 1966 geboren ist, teilt seinen runden Geburtstag mit einigen Dingen, die heute noch jeder kennt. 2026 werden sechzig Jahre alt:
- das Wembley-Tor (30. Juli)
- die Raumpatrouille Orion (17. September)
- der erste Europapokal für Borussia Dortmund (5. Mai)
- der 1. FC Union Berlin (20. Januar)
- der BFC Dynamo (15. Januar)
- die Universität Konstanz (21. Juni)
- die Universität Düsseldorf, heute Heinrich-Heine-Universität (14. Februar)
- die erste weiche Mondlandung durch Luna 9 (3. Februar)
- die BMW 02er-Baureihe (März)
- das Chatprogramm ELIZA
Wer ein Geschenk zum 60. sucht, findet hier also gleich mehrere Anknüpfungspunkte: ein Trikot von 1966, die Raumpatrouille auf DVD oder ein Modellauto des BMW 1600-2.
Jahrgang 1966: Wer mit dir Geburtstag feiert
Diese bekannten Deutschen sind 1966 geboren und werden 2026 sechzig Jahre alt.
- Kristin Otto, Schwimmerin
- Bruno Labbadia, Fußballtrainer
- Christoph Maria Herbst, Schauspieler
- Anne Will, Journalistin
- Michael Mittermeier, Komiker
- Oliver Welke, Moderator
- Olaf Thon, Fußballer
- Katrin Göring-Eckardt, Politikerin
- Christoph Schneider, Schlagzeuger (Rammstein)
- Thomas Häßler, Fußballer
- Frank Goosen, Autor und Kabarettist
- Sebastian Krumbiegel, Sänger
- Sandra Maischberger, Journalistin
- Gunda Niemann-Stirnemann, Eisschnellläuferin
- Georg Hackl, Rennrodler
- Maria Furtwängler, Schauspielerin
- Heiko Maas, Politiker
- Erdoğan Atalay, Schauspieler
- Stefan Reuter, Fußballer
- Stefan Raab, Entertainer
International
- Stefan Edberg, Tennisspieler
- Romário, Fußballer
- Cindy Crawford, Model
- Janet Jackson, Sängerin
- Helena Bonham Carter, Schauspielerin
- Mike Tyson, Boxer
- Halle Berry, Schauspielerin
- Salma Hayek, Schauspielerin
- Adam Sandler, Schauspieler
- Gordon Ramsay, Koch
- Kiefer Sutherland, Schauspieler
Jeder Tag 1966 365 Tagesblätter
Wähle deinen Geburtstag, Hochzeitstag oder Kennenlerntag. Jeder Tag hat eine eigene Seite mit Wetter, Ereignissen und Geburtstagen.
Quellen
- Ereignisse und Personen: Wikipedia (Jahresartikel 1966, Artikel zum WM-Endspiel 1966, Raumpatrouille, DFB-Pokal-Finale 1966) und Wikidata (CC0)
- Preise: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, „Einzelhandelspreise in Baden-Württemberg im Juli 1966“
- Kaufkraft: Deutsche Bundesbank, Kaufkraftäquivalente (Stand 2025)
- Nobelpreis: nobelprize.org
- Konzerte der Beatles 1966: The Paul McCartney Project